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SCHWEIZER ILLUSTRIERTE Nr.11/1997   INES TANNER-SCHWARZ
                       PHOTOS: ARSENE SAHEURS

Schweizer  Macher

  Mohrenkopfkönig ROBERT DUBLER                

" An Vaters altem Rezept haben wir       
   noch nie etwas
 
geändert "                
Seit fünfzig Jahren produziert die Familie Dubler in Waltenschwil AG Mohrenköpfe. Grund für den Erfolg: Am traditionellen Rezept des inzwischen verstorbenen Vaters  Robert wurde noch nie etwas geändert.
          

Sie sind klein und süss, wiegen sechsunddreissig Gramm und haben 150 Kalorien. Vor allem aber: Sie schmecken unwiderstehlich gut. Davon jedenfalls ist Familie Dubler aus Waltenschwil AG überzeugt. Alle, von der zweiundneunzigjährigen Grossmutter Paula bis zum Teenager Robert junior, schlemmen Mohrenköpfe mit Hochgenuss. Der Duft der die Fabrikationshalle und  - je nach Windstärke - die nähere und weitere Umgebung versüsst, wird von den Dublers jedoch schon lange nicht mehr wahrgenommen. Wären nicht die vielen Kunden, die die Dubler - Mohrenköpfe täglich ab Fabrik kaufen, sie hätten ihn wohl längst vergessen.
sj_scan1.jpg (45700 Byte)Wahrscheinlich hilft der süsse Geruch, der in der Luft von Waltenschwil liegt, den Direktverkauf anzukurbeln. Tatsche ist jedoch, dass die Verkäufe, die am Fabrikschalter getätigt werden, in den letzten Jahren enorm zugenommen haben und heute rund die Hälfte des Gesamtumsatzes der Firma Dubler ausmachen. " Unsere Mohrenköpfe sind absolut frisch. Das ist sicher ein wesentlicher Faktor für den konstanten Erfolg unserer Firma ", erklärt Alleinaktionär Robert Dubler. " Ich beliefere unsere Grossisten lieber mehrmals mit kleinen Mengen als einmal pro Monat mit einer ganzen Palette."

 Für den dynamischen Firmenbesitzer ist es denn auch selbstverständlich, dass er die frischen Mohrenköpfe eigenhändig ausliefert.sj_scan2.jpg (66893 Byte) " So stehe ich in ständigen Kontakt mit meinen Kunden ", erklärt der Fünfzigjährige und fügt lachend bei: " Ausserdem fahre ich leidenschaftlich gerne Auto." In der Freizeit vertauscht er allerdings den Lieferwagen mit seinem knallgelben und um einige PS stärkeren C2-Argo oder einem anderen

         "Ich fahre leidenschaftlich gerne Autorennen.          
                    Ich brauche den Nervenkitzel!"

 seiner drei Rennboliden. sj_scan5.jpg (35904 Byte) Fast jede freie Minute ist er in der Werkstatt anzutreffen, wo er an seinen Autos herumbastelt, um mit ihnen an den verschiedensten Rennen der Welt teilzunehmen. Letzten Frühling etwa startete er auf dem legendären Daytona-Rundkurs in Florida, ausserdem fuhren er und sein Freund Christian Schober als einzige Europäer das " One Lap of America ". In diesem Rennen gilt es, innert nur sechs Tagen  8000 Kilometer zurückzulegen und auf zwölf Rennstrecken jeweils die möglichst schnellste Runde zu fahren. " Es war irrsinnig anstrengend, aber eine einmalige Herausforderung, die ich auf gar keinen Fall missen möchte", erklärt der Freizeitrennfahrer nicht ohne Stolz. " Ich brauche den Nervenkitzel und die Abwechslung zum normalen Arbeitsalltag."

sj_scan3.jpg (63724 Byte) Mit Mohrenköpfen lässt sich gutes Geld verdienen. Das zeigt nicht nur Dublers extravagantes Hobby, sondern auch sein phantasievolles Einfamilienhaus. Es ist mit dreihundert Quadratmeter Wohnfläche riesig und sieht wie mehrere aneinandergereihte Mohrenköpfe aus. Im krassen Gegensatz dazu steht das gediegene Landhaus seiner Mutter Frieda, das sich als einziges in Robert Dublers unmittelbarer Nachbarschaft befindet. " Weil sich die beiden Liegenschaften in einer gemischten Wohn -und Gewerbezone befinden, hat es kein Probleme mit der Baubewilligung für das aussergewöhnliche Wohnhaus gegeben ", meint Dubler. Doch gezweifelt hat er eigentlich nie daran, dass am Schluss alles so aussehen wird, wie er es sich auch vorgestellt hat. Selbstsicher meint er: " Ich habe noch immer alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Ich lege andern schliesslich auch keine Steine in den Weg."
Tatsächlich verlief beim Waltenschwiler bis jetzt alles nach Plan. Schon als Kind wusste er, dass Mohrenköpfe zu seinem Leben gehören. Als er 1971 nach der kaufmännischen Lehre in das Familiengeschäft eintrat, blieben seinem Vater gerade noch drei Jahre um ihm das nötige Know-how zu vermitteln. Beim Tod des Vaters hatte der Sohn die Firma bereits fest im Griff. Er produzierte die süssen Leckerbissen weiter streng nach dem von Vater Robert erprobten Rezept aus Eiweiss, Maisstärkesirup, Wasser, Zucker und brauner Schokolade und hatte nicht vor, grosse Veränderungen vorzunehmen.  " Natürlich mussten wir die Maschinen laufend dem neusten Stand der Technik anpassen. Das tun wir selbstverständlich auch heute noch, aber warum soll ich etwas ändern, wenn alles so gut und reibungslos läuft?" Seine Geschäftsphilosophie mag zwar etwas konservativ wirken, doch der Erfolg gibt ihm recht. " Ich glaube fest daran, dass es nichts bringt, immer mehr zu produzieren, neue Arbeiter einzustellen und neue Büros zu füllen. Bis jetzt jedenfalls hat sich meine Taktik vom Nullwachstum hundertprozentig bewährt." Dubler sieht denn auch optimistisch in die Zukunft: " Es gibt in der Schweiz zwar noch vier andere Mohrenkopffabrikanten, doch ich glaube, dass wir uns gegenseitig nicht stören. Und ich bin sicher, dass der Markt für jeden von uns gross genug ist- auch in einigen Jahren noch, wenn mein Sohn Robert die Fabrik übernehmen wird."
sj_scan4.jpg (34171 Byte)Dass der sechzehnjährige, das einzige Kind von Paula, 47, und Robert Dubler, später einmal das Zepter übernehmen wird, scheint in der Familie eine beschlossene Sache zu sein. Der Schüler erklärt: " Im Moment mache ich mir zwar überhaupt noch keine konkreten Gedanken über die spätere Geschäftsübernahme. Da ist es ja auch noch lange hin. Ich denke aber schon, dass ich, wenn die Zeit gekommen ist, die Firma im bewährten, traditionellen Stil meines Vaters und meines Grossvaters weiterführen werde."
Auch seine Grossmutter Frieda Dubler, 71, kann sich keine bessere Lösung für das kleine Familienimperium vorstellen: " Die beiden Roberts verbindet nicht nur die Leidenschaft zu Motoren, sie können auch stundenlang in der Werkstatt verschwinden. Dort bastelt mein Enkel an seinem Mofa herum, während Robert seine Rennboliden instand stellt. Beide haben auch den Hang zur Unabhängigkeit und sind unverbesserliche Individualisten. Darum bin ich sicher, dass Robert junior seine Aufgabe genauso gut lösen wird wie jetzt mein Sohn und zuvor mein Mann."


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